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Die Familienskulptur
By , Sunday, January 04, 2004

Die Familienskulptur

nach: M. Cierpka 2003. Handbuch der Familiendiagnostik, pp 339-345. Springer (Heidelberg)

 

 

Die Familienstruktur und die  Familienbeziehungen sind für die Familiendiagnostik außerordentlich bedeutsam.  Der Begriff der Skulptur bezieht sich in erster Linie auf von Familien gestellte lebende Skulpturen. Daneben existieren einige den lebenden Skulpturen verwandte Verfahren.

Der Versuch, die verschiedenen Verfahren nach gemeinsamen Kriterien zu ordnen, erweist sich als schwierig. Die Art des Einsatzes der Verfahren hängt davon ab, ob ein Verfahren therapeutischen, diagnostischen oder wissenschaftlichen Zwecken dient.

Skulpturverfahren können hoch wirksame therapeutische Interventionen besonders auf nichtsprachlicher Ebene darstellen, weil in diesem Fall sprachgebundene Abwehrstrategien wegfallen und mit unmittelbarem affektivem Erleben konfrontieren.

Der Begriff (Familien-) „Skulptur“ ist der Kunst entlehnt und bedeutet hier die Darstellung einer lebenden Gestalt – der Familie.

 

Die Lebende Skulptur

Einem ausgewählten Familienmitglied, dem „Bildhauer“, wird der Auftrag gegeben, die Beziehungen der Familienmitglieder untereinander räumlich darzustellen. Es postiert die Familienmitglieder so im Raum, dass die Beziehungen zwischen diesen aus seiner Sicht deutlichen werden. Fehlende Familienmitglieder werden durch Symbole, etwa Mobiliar, ersetzt. Die Durchführung der lebenden Skulptur wird allerdings nicht einheitlich gehandhabt, Instruktionen fehlen oft oder sind unklar.

 

Konkret sind die Hinweise, die Schweitzer und Weber (1982) zur Erstellung der lebenden Skulptur geben. Sie lassen die Beziehungen zwischen „Nähe und Distanz“ und „Hierarchie“ stellen. Die Reihenfolge, in der die Familienmitglieder gestellt werden, wählt der „Bildhauer“ selbst. Nach Fertigstellung der Skulptur bittet der Versuchsleiter die Familie die Stellung eine gewisse Zeit beizubehalten und auf die Gefühle zu achten, die in den Familienmitglieder aufkommen. Im Anschluss an eine lebende Skulptur wird über die Eindrücke, die sie hinterlassen hat, gesprochen.

Der Intuition des Therapeuten/Beraters bleibt es weiterhin überlassen, wann er die Skulptur stellen lässt, wen er zum „Bildhauer“ wählt und wie er die Durchführung der Skulptur modifiziert. Jefferson (1978) berichtet von der Möglichkeit, die Positionen einzelner Familienmitglieder bildhaft auszugestalten. Schweitzer und  Weber (1982) schlagen die folgenden Modifikationen vor:

 

Über die Auswertung der lebenden Skulpturen gibt es ebenso wenig einheitliche Vorstellungen wie über die Durchführung. Die Auswertung ist abhängig vom Ziel und von den Kriterien, die zur Erstellung der Skulptur vorgegeben waren.

Eine wichtige Frage in der Familientherapie und Familienberatung ist, wie die Familienmitglieder ihre Struktur und die Beziehungen, Nähe und Distanz, untereinander erleben.

 

Einer der wichtigsten Vorteile der lebenden Skulptur ist die Tatsache, dass es sich um eine nichtverbale Technik handelt. Andolfi (1982, S. 130) spricht von einer „nichtverbalen Aktionstechnik“. Insbesondere können hierdurch an Sprache gebundene Abwehrstrategien, z.B. Intellektualisierungen, umgangen werden. Diese sind besonders bei Familien mit hohem Bildungsgrad und großer Therapieerfahrung zu erwarten. Andererseits bietet gerade die Familienskulptur auch Familien unterer sozialer Schichten, die weniger sprachgewandt sind, eine Ausdrucksmöglichkeit.

Papp et al. (1973) nennen die folgenden therapeutischen Zielrichtungen beim Einsatz von Familienskulpturen :

 

 

Die lebende Skulptur nach B. Hellinger

Versucht man, Hellingers Familienaufstellung einzuordnen, so geht es um die Klarifizierung von strukturellen Merkmalen von Beziehungen und Familiensystemen, wobei der Ausgangspunkt das innere Bild oder die Repräsentanzen der Protagonisten von den Familienbeziehungen und dem Familiensystem ist.

Unter diesem Aspekt sind Projektionen eines Familienmitgliedes ein Ausgangspunkt der Familienaufstellung nach Hellinger. Ziel der Familienaufstellung ist es, die Lösung eines Problems oder für dein Symptom zu finden. Diese besteht, betrachtet man die Falldarstellung Hellingers etwa in seinem Buch“ Der Abschied“ (1998), in der Veränderung der Familienaufstellung durch Hellinger im Sinne eines normativen Modells von Familie, mit der das vom Protagonisten aufgestellten Familienbild sukzessive konfrontiert wird.

 

Die Vorgehensweise

Generell ist die Vorgehensweise der Skulpturverfahren im diagnostischen, therapeutischen oder wissenschaftlichen Kontext dadurch gekennzeichnet, dass dem Protagonisten einer Familienskulptur in einer nicht-direktiven Weise eine aktive Position in dem Prozess der Familienaufstellung eingeräumt wird, dem der Diagnostiker oder Therapeut kommentierend oder zusammenfassend folgt. Auch Hellingers Vorgehen folgt dem bi zum Zeitpunkt, an dem der Patient oder Klient sein inneres Bild von den Familienbeziehungen dargestellt hat.

Ein Protagonist wird aufgefordert, sein „inneres Bild“ (Weber 1993, S. 237) seiner gegenwarts- oder  Herkunftsfamilie aufzustellen. Aus der Gruppe der Teilnehmer, die an der Familienaufstellung beteiligt sind, werden Stellvertreter für die Familienmitglieder ausgewählt und diese vom Protagonisten auf den jeweiligen Platz in seinem Familiensystem gestellt. Genauere Hinweise, etwa die Einbeziehung des Raumes als Indikator für emotionale Nähe oder der Hierarchie werden nicht gegeben. Hellinger (nach Weber 1993) gibt hingegen die Anweisung an die Gruppenmitglieder, ihre Gefühle, die sie auf dem Platz im Familiensystem spüren, „ohne Kritik“ und „ohne Zensur“ (Weber 1993, S. 237) zum Ausdruck zu bringen. Der Protagonist wird zudem aufgefordert, sich jeder Äußerung verbaler und gestischer art zu enthalten.

Anschließend verändert sich die Vorgehensweise, indem nach der Aufstellung durch den Protagonisten Hellinger die aktive Position übernimmt und direktiv Veränderungen im Familiensystem einführt. Dies bezieht sich konkret z.B. darauf, dass er weitere Familienmitglieder einbezieht, die Positionen der Familienmitglieder verändert und bestimmt, kurze, klare, manchmal scharfe Anweisungen und Interventionen gibt und zu bestimmten Aktionen – etwa das verbeugen vor anderen – auffordert. Protagonist und Mitspieler werden weitgehend darauf beschränkt, ihre Gefühle mitzuteilen und den Aufforderungen zu folgen.

 

 

Das zugrundeliegende Modell

Hellinger folgt einem Modell von Familienkonstellationen: er schreibt bestimmten Mustern Pathogenität zu und stellt dann die „Lösungskonstellationen“, d.h. er stellt die Familienmitglieder um, er ändert das Bild so, dass eine (von ihm bestimmte) Ordnung der innerfamiliären Beziehungen entsteht, die nach seiner Ansicht die Lösung des Problems ist“ (Simon et al. 1995, zit nach Bayer et al. 2000, S. 491).

Das bedeutet, das Hellinger von einem normativen Modell der Familie ausgeht, das durch bestimmte Ordnungsprinzipien gekennzeichnet ist, von dem er als Therapeut überzeugt ist,  dass es die Lösung des Problems darstellt. Einige Annahmen dieses Modells sind nach Weber (1993):

a)      Bindung: Unter Bindung wird das Platz und die Zugehörigkeit in einer Familie verstanden: So fügt ein Kind sich fraglos in die Ursprungsgruppe und hängt an ihr mit einer Kraft und Konsequenz, die nur mit einer Prägung zu vergleichen sind.

b)      Beziehung: das wesentliche Merkmal von Beziehung ist der Ausgleich von Geben und Nehmen, der Bedingung für das Ge- bzw. Misslingen von Beziehungen ist. Besonderem Gewicht kommt dabei dem Gefälle von Eltern und Kindern zu, in denen es diesen Ausgleich nicht geben kann, im Gegensatz etwa zu ebenbürtigen Partnern. Eine wesentliche Funktion wird dabei dem Gewissen als eine Art Regulator für diesen Ausgleich zugeschrieben. „Das Gewissen steht im Dienste aller drei Bedürfnisse (Bindung, Beziehung und Ordnung) und jedes dieser Bedürfnisse wird durch ein eigenes Gefühle von Schuld und Unschuld durchsetzt.

c)      Ordnung bezeichnet Regeln, Normen, Riten, Überzeugungen und Tabus, die in einer Familie verbindlich sind. Ein wesentliches Merkmal der Ordnung ist die zeitliche Rangfolge, die auch den Rang der Stellung in einer Familie begründet und deren Missachtung schwere Konsequenzen zugeschrieben wird.

 

Alle Familienmitglieder sind in der Art einer Schicksalsgemeinschaft über die Generationen hinweg verstrickt. Ein Auskommen gibt es nicht, womit der Konstellation gemeinsam mit der Begrifflichkeit eine schwer fassbare Bedeutsamkeit und Schwere verliehen wird. Dem entsprechen dann auch die Anweisungen des Leiters manchmal dramatisch wirkender Aktionen des Protagonisten und er Familienmitglieder bzw. ihrer Stellvertreter.

 

 

Struktur der Beziehung zwischen Klient und Diagnostiker/Therapeut

 

Dem normativen Modell und der Aktivität Hellingers entspricht eine Beziehungsstruktur zwischen Hellinger und den Teilnehmern, die vor allem durch ein Autoritätsgefälle gekennzeichnet zu sein scheint. Bayer et. al (2000) sehen hierbei u.a. folgende Dimensionen als entscheidend an:

 

Hellingers Familienaufstellung fand und findet sehr große Verbreitung unter Patienten und Therapeuten und wird, zwar keineswegs unkritisch, auch in den Medien dargestellt. Auch in der psychotherapeutischen Praxis finden sich zunehmend Patienten ein, die einmal ohne psychotherapeutischen Kontext eine Familienaufstellung – ob nach Hellinger oder auch sonst irgendwie – mitmachen und dies zu einer für den Patienten unverarbeitbaren Erfahrung werden kann, ohne dass es eine Möglichkeit gibt, diese Erfahrung zu bearbeiten.

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